GITTI ESCHBAUMER
geb. Melkonian
04. Mai 1950 - 31. Mai 2023
In liebevoller Erinnerung an eine ganz besondere Frau...
Mit dem Tod meiner Mama „Gitti“ verlieren wir unseren zentralen Mittelpunkt, unseren
„Familien-Häuptling“. Einen ganz besonderen Menschen. Die beste Frau, Mutter, Oma, Schwester, Schwägerin, Freundin und Komplizin. Einen absoluten Herzensmenschen.
Mama hatte ein sehr bewegtes Leben, das nicht immer geradlinig verlief und nicht immer einfach war. Ganz viel von ihrem Wesen hat sie von ihrer „Mutti“ gehabt, der sie gerade in den letzten Jahren immer ähnlicher wurde. So z.B. die unbändige Willenskraft und das starke Durchhaltevermögen, das sie ausgezeichnet hat. Sie war eine sehr starke Frau mit viel Persönlichkeit und sie hatte das Herz am rechten Fleck.
Unsere Mama war für unsere Familie und den großen Freundeskreis immer eine Anlaufstelle, Vertrauensperson, Ratgeberin und Problemlöserin. Sie hat Brücken geschlagen und war nicht selten Vermittlerin. Sie hatte für alles und jeden ein offenes Ohr und stand stets mit „Rat und Tat“ zur Seite. Nichts war ihr zu viel und sie machte gern die Probleme anderer zu den ihren. Jeder mochte sie, jeder behielt sie im Kopf, der sie kennenlernte. Sie hatte alle Fäden in der Hand. Sie war tolerant, weltoffen, verständnisvoll, vertrauensvoll. Ein Mensch, wie man ihn sich für ein Leben als Wegbegleiter nur wünschen kann. Sie nahm jeden so wie er war – und wenn man über wen schimpfte, sagte sie immer „Mei, der kann halt auch nix dafür“.
Mama war ein unglaublich optimistischer Mensch. Sie nahm alles hin und an wie es kam, und machte stets das Beste daraus. Der Satz „Es ist nix so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist“ war ganz typisch für sie. Und da sie immer über alles Bescheid wusste, kam bei allem, was man ihr erzählte, grundsätzlich ihr Reflex-Spruch „Des hab i mir glei denkt“. Wenn wir das hörten, mussten wir schon immer alle lachen.
Sie konnte auch unglaublich gut beruhigen und beschwichtigen. Sie hatte immer die Ruhe weg, ließ sich nie hetzen oder unter Druck setzen. Mama war ein richtiger Fuchs, ein Schlitzohr - hatte für alles direkt eine Lösung oder wenn nicht, erfand sie eine mit zig Kurven und Umwegen. Und sie war unfassbar stur. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann war sie ganz schwer davon abzubringen.
Mama war auch ein sehr vielschichtiger und vielseitiger Mensch. So hat sie z.B. beruflich im Verlauf ihres Lebens immer wieder neue Felder für sich entdeckt und ausprobiert. Von der Versicherungsmaklerin, über den "Vertrieb" von Pflaster, Haushaltswaren und dem berühmten Reinigungsmittel "S66" bis hin zur Imbiss-Betreiberin von "Gitti´s Schmankerl-Küche", oder als Wirtin in ihrer Gaststätte in Forstern - und nicht zu vergessen, Ihr Einsatz für die "Eschbaumer Wohnbau GmbH".
Und auch was die Musik anging, war sie breit aufgestellt. Rock´n Roll und Evergreens hatten es ihr genauso angetan wie klassische Musik und Opern. Sie war großer Fan von Pavarotti. Gerade die 3 Tenöre hätte sie gern einmal live gehört. Und sie mochte die Musik von Künstlern wie Andrea Bocelli unglaublich gern.
Als Tochter von Marianne Horsch & Harutjun Melkonian (einem ehemaligen armenischen Zwangsarbeiter) kam Margit, die alle immer nur „Gitti“ nannten, am 04. Mai 1950 auf die Welt. Sie lebte die erste Zeit ihres Lebens mit ihren Eltern in München in einem Internierungslager nahe des Ungererbads im Münchener Norden. Mama ist von insgesamt 9 Kindern die älteste und einzige Tochter geblieben.
Nach einer Umverteilung der ehemaligen Zwangsarbeiter wurde die junge Familie in eine Barackensiedlung erst auf der "Eierwiese“, kurze Zeit später dann in einer anderen Siedlung, in Höhenkirchen bei München, untergebracht.
Nachdem der komplizierte bürokratische Papierakt geschafft war, konnten Mamas Eltern 1952 endlich heiraten und es kamen die Söhne Peter, Wahe und Martin zur Welt. Das fünftgeborene Kind, ein weiterer Sohn namens Jedward, verstarb mit nur 6 Monaten am plötzlichen Kindstod. Die Söhne Edmond, Artin, Asarik und Alexan vervollständigten schließlich die Großfamilie Melkonian.
Die Kinder- und Jugendjahre von Mama waren nicht einfach. Eine so große Familie durchzubringen verlangte ihren Eltern viel ab. Harutjun arbeitete auf dem Bau, während Marianne Fabrikarbeit vollrichtete.
Meine Mama Gitti zog ihre Brüder auf. Zwischen den Geschwistern entstand ein unglaublich starkes Band und ein Zusammenhalt, der bis zum Tod der Brüder Peter, Edmond und Wahe – und nun ihrem eigenen Tod - zu den verbliebenen Brüdern und ihren Schwägerinnen angehalten hat. Ganz regelmäßig hatte sie zu allen Kontakt.
Gerade mit ihrem Bruder Martin wuselte sie unglaublich gerne viel herum. Sie liebte Blumen und Gartenarbeit. Mit viel Hingabe zauberte sie unfassbar tolle Gestecke zu Allerheiligen für die vielen Gräber der Familie und von Freunden. Für Beerdigungen gestaltete sie die tollsten Blumenkränze und ihren Garten bepflanzte sie immer mit ganz viel Hingabe. Weil jeder wusste, wie viel ihr Blumen bedeuteten, war es an Muttertagen und Geburtstagen oft ein ganzes Blumenmeer, das sie geschenkt bekam – und sie freute sich über jeden einzelnen Strauß. Sie steckte dann auch immer die Blumen, die im Verlauf der Zeit noch nicht verwelkt waren, aus den diversen Sträußen zu neuen Gebinden zusammen und kümmerte sich um jede einzelne Blüte, bis sie vollends verwelkt war.
Als ganz junge Frau lernte sie seinerzeit Joschi kennen, mit dem sie auch ihre älteste Tochter Silvia bekam. Die Beziehung ging nach einigen Jahren auseinander und Mama kam 1979 mit meinem Papa Günter zusammen. Die beiden heirateten dann auch 1985. Ich selbst bin nicht das leibliche Kind von Mama. Ich war noch ein Baby, als mein Papa mit „seiner Gitti“ zusammenkamen. Papa brachte mich in die Beziehung mit ein. Die beiden zogen direkt zusammen und ich wuchs bei Papa, Mama und meiner 7 Jahre älteren Schwester Silvia auf. Für mich war Mama, soweit ich zurückdenken kann, meine „Mama“. Sie hat mich von Anfang an angenommen und aufgezogen wie ihr eigenes Kind und ich hätte eine leibliche Mutter nicht mehr lieben können als sie. Aus der Beziehung mit Papa ging dann auch 1980 mein zwei Jahre jüngerer Bruder Günter hervor und unsere "Patchwork-Familie" war komplett.
Wir hatten eine sehr schöne, unbeschwerte Kindheit, die von viel Freiheit geprägt war. Mit Eltern, die zwar nie reich waren, aber viel und hart gearbeitet haben, verschiedenste berufliche Pfade eingeschlagen hatten im Verlauf der Jahre, um uns ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen und uns alle Wünsche zu erfüllen.
Bei uns zuhause war immer was los. Unsere Eltern hatten immer schon ganz viel Besuch von der Familie und den vielen Freunden, und auch wir Kinder durften, wann immer wir wollten, Schulfreunde oder Cousinen und Cousins übers Wochenende und in Ferienzeiten zu uns einladen. Wenn wir in den Urlaub nach Italien oder Griechenland gefahren sind, hatten wir oftmals auch die ein- oder andere Cousine und Cousin im Gepäck. Uns hat es nie an irgendwas gefehlt.
Auch jetzt als Erwachsene haben wir eine ganz enge Verbindung zu unseren Eltern gehalten. Unser Familienkontakt und Zusammenhalt ist unglaublich stark. Günter, mein Bruder, hat noch heute eine Wohnung im Haus meiner Eltern und auch ich habe Mama & Papa bis zuletzt wöchentlich besucht. Mama und ich haben nicht selten mehrmals täglich telefoniert. Wir Kinder konnten zu jeder Tages- und Nachtzeit vorbeikommen, anrufen, um Mama um Rat zu fragen, unser Leid zu klagen, oder mit ihr zu lachen. Sie war mehr als „nur“ unsere Mama. Sie war unsere engste Vertraute.
Für die Kinder in unserem Umfeld war Mama immer wie ein Magnet. Sie hat Kinder geliebt – und Kinder sie. Egal ob unsere Freunde oder ihre zahlreichen Nichten und Neffen, sie haben einen sehr engen Kontakt zu ihrer „Tante Gitti“ gehalten. Sie hatte eine unfassbare Geduld mit Kindern, erfand die tollsten Märchen und Phantasiewelten und schaffte mit jedem Kind eine tiefe Beziehung und Ebene. Der ganze Stolz von Mama war natürlich ihr Enkelsohn, unser Julius. Sie war eine ganz stolze Oma und hat den fast 9-jährigen Sohn meines Bruders sehr geliebt.
Eine ganz intensive Beziehung hatte Mama auch zu unseren Partnern. Zu meinem Freund Rupert, den sie immer „mein Buam“ genannt hat und bei dem sie sich schneller als ich sicher war, dass er der Richtige für mich ist. Sie wusste einfach, was mir guttut und was ich für mein Leben brauche. Und eine starke Verbindung hatte Mama auch zu Sarah, der Lebensgefährtin meines Bruders. Mama sagte mir oft, dass Sarah für sie wie eine „dritte Tochter“ ist. Sie war eine ganz enge Vertraute.
Gerade in den letzten Jahren hatte es Mama nicht einfach und leicht. Im Sommer 2019 starb erst ihre eigene Mutter, die sie „Mutti“ nannte und zu der sie ein sehr enges Verhältnis hatte. Im Dezember 2019 traf uns das Schicksal dann noch einmal richtig hart. Da verstarb unsere Schwester Silvia mit knapp 48 Jahren an einer Sepsis. Die Ärzte kämpften zwei Wochen auf der Intensivstation um ihr Leben. Mama war genauso wie wir in dieser Zeit der festen Überzeugung, dass Silvia das schafft. Ihre Prognose lag bei 50 %. Ich werde niemals den Anruf meiner Mama an diesem besagten Samstagabend vergessen, als sie bitterlich weinte (Mama hatte ich davor noch nie so weinen gehört) und sie mich bat, gleich in die Klinik zu fahren. Sie hätte plötzlich ein ganz schlechtes Gefühl und sie sagte zu mir, dass sie glaubt, Silvia schafft es nicht. Ich fuhr direkt zur Klinik mit dem Ziel, Mama zu beruhigen. Doch als der Arzt der Intensivstation auf mich zukam meinte er, es sei gut, dass ich da sei. Er wollte uns eh gerade anrufen wollte, weil meine Schwester die Nacht nicht überleben würde. Meine Mama hatte das gespürt. Darüber haben wir bis zu ihrem Tod ganz oft gesprochen… Dass sie das einfach an dem Tag „im Gefühl“ hatte, gespürt hatte, dass sie ihr Kind verliert. Der Verlust von Silvia hat uns allen den Boden unter den Füßen weggezogen, aber natürlich ganz besonders Mama. Über den Tod ihrer ältesten Tochter, die bis zuletzt bei meinen Eltern in einer Einliegerwohnung daheim lebte und somit immer in ihrer Nähe war, ist sie bis zum Schluss nie wirklich weggekommen, auch wenn sie sich ganz tapfer gegeben hat.
Mit dem Verlust von Silvia wurden die eh schon starken körperlichen Beschwerden bei Mama parallel auch immer schlimmer. Schon viele Jahre hatte sie arge Kreuzschmerzen, wurde früher bereits etliche Male an der Wirbelsäule operiert - und es war Anfang 2020 eigentlich wieder eine größere OP nötig.
Doch die musste dann über zwei lange Jahre immer wieder verschoben werden. In der Zwischenzeit hatte Mama drei Herzinfarkte erlitten, war nicht operierbar. Zusätzlich wurden die Symptome ihrer Lungenkrankheit COPD immer stärker. Bei einem Sturz hatte sie sich dann Ende 2020 auch noch den Oberschenkel gebrochen, bei der die erste OP leider mit Komplikationen verlief und eine weitere OP im Mai 2021 nötig machte. Dazwischen erlitt Mama eine Corona-Infektion, die sie weiter schwächte. Und so rückte die so sehr benötigte große Wirbelsäulen-OP immer weiter nach hinten.
Endlich konnte sie diesen Eingriff dann im Frühjahr 2022 in Angriff nehmen. Eine sehr große, riskante Operation, die einen unglaublich langen Heilungsprozess nach sich zog. In dieser Zeit „feierten“ wir Mamas 72. Geburtstag und sie kam erstmals, wie mir schien, an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Doch sie war von jeher eine Kämpferin, hatte sich auch in dieser schweren Zeit nicht unterkriegen lassen. Sie hat hart an sich gearbeitet, nie gejammert und blieb konsequent dran, dass sie wieder auf die Beine kam.
Nach fast 7 Wochen Krankenhaus-Aufenthalt war Mama dann für 4 Wochen bei Rupert und mir. Im „Familienrat“ beschlossen wir diese Idee, damit wir sie gemeinsam mit der Familie und Freunden etwas aufpäppeln konnten, bevor sie wieder zu sich nachhause kam, wo sie sich sonst - direkt nach dem Klinik-Aufenthalt – zu viel auf einmal zugemutet und zu wenig geschont hätte. Denn das Ruder aus der Hand geben, das war nicht Mamas Stärke. Diese Wochen bei uns in Schwabing waren, so schlimm alles war, dennoch eine sehr schöne und intensive Zeit für uns, und ich glaube, das hat auch ihr wirklich gutgetan.
Als es für Mama dann im Juni heimging, hatte sie selbst und hatten wir alle den Eindruck, jetzt geht es endlich bergauf. Die schlimmsten Schmerzen waren vorbei und sie konnte langsam auch die starken Medikamente reduzieren, die arge Nebenwirkungen mit sich brachten.
Doch dann kam im Herbst 2022 eine weitere Corona-Infektion und im Dezember, kurz vor Weihnachten, eine Lungenentzündung dazu, in dessen Folge das COPD rapide schlechter wurde. Mama hing ab dem Moment durchgängig am Sauerstoffgerät, konnte kaum mehr ein paar Schritte tun, ohne dass die Sättigung komplett in den Keller rutschte.
Das war für Mama unglaublich schlimm, weil sie von Natur aus nicht „ruhig“ sein konnte, immer wuseln und wurschteln musste… Und plötzlich war sie die meiste Zeit zur „Untätigkeit“ gezwungen, konnte oft nur noch liegen/sitzen… Kochen, was sie unglaublich gern tat, nur auf mehre Etappen.
Damit sie eine Aufgabe hatte, startete ich ein Projekt mit ihr. Ich wünschte mir von Mama zum Geburtstag eine selbst gestrickte und gehäkelte Patchwork-Tagesdecke mit passenden Kissen. An diese Arbeit machte sie sich mit Feuereifer. Tag und Nacht strickte und häkelte sie wie verrückt – sie wollte unbedingt so schnell wie möglich fertig werden, obwohl ich mir das erst zum Geburtstag im September gewünscht hatte. Doch sie überreichte mir die Decke und die Kissen bereits kurz nach Ostern - und hinterlässt mir damit nun das schönste und wertvollste Geschenk: eine Decke in die ich mich einwickeln, Kissen auf die ich mich legen kann, als würde ich mich an Mama lehnen und von ihr umschlungen werden. Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel mir diese Handarbeit bedeutet.
Im Januar war Mama nochmal stationär in der Lungenfachklinik in Gauting. Bis dahin hatte sie gehofft, dass sie die akute Verschlechterung des COPD wieder in den Griff bekäme. Doch als sie dort entlassen wurde und ihr auch im April/Mai der letzte Reha-Aufenthalt keine Verbesserung brachte, merkte man ihr an, dass sie sich langsam anfing abzufinden und „aufzugeben“. Sie sagte in den letzten Wochen Sätze wie „für die kurze Zeit, wo ich noch leb…“ oder „des wird eh nix mehr…“
Ich hatte viel über COPD gelesen und auch, dass Patienten oft depressiv werden. Ich versuchte sie dann immer zu motivieren, sagte dass sie nicht aufgeben dürfe, weiter dranblieben soll am Lungensport und ihren Übungen. Ich kaufte Ihr Ratgeber und Fachbücher über COPD und ging mit Mama sogar noch in der Woche vor ihrem Tod zu einer Selbsthilfegruppe für COPD-Patienten. Sie machte alles mit, doch wenn ich sagte „das wird schon wieder“ lächelte sie und sagte nur „okay“. Heute bin ich mir ganz sicher, dass sie es gewusst und gespürt hat, wie kurz und knapp ihre Zeit tatsächlich nur noch war.
Wir wussten alle, dass Mama sehr schwer krank war und COPD nicht heilbar ist. Doch wir konnten und wollten es alle nicht wahrhaben. Für uns war Mama der „Übermensch“. Eine Person, die immer für alles eine Lösung hatte und darum haben wir uns - wie immer in unserem Leben - auch in der Situation auf sie verlassen.
Am 04. Mai hatte Mama ihren 73. Geburtstag. Es war der dritte Geburtstag in Folge, den wir mit ihr im Krankenhaus bzw. einer Reha „gefeiert“ haben. Und eigentlich wollten wir ihr eine Freude machen und uns als Familie eine gemeinsame Zeit schenken. Unser Geburtstagsgeschenk war eine Woche Familienurlaub. Eine Reise, die wir bereits vor Jahren schon gemeinsam mit unserer Silvia machen wollten und dann aber nicht taten. Das wollte ich nun nicht länger aufschieben und so haben wir als Überraschung ein tolles Ferienhaus in Kroatien gebucht. Am 19.06. wäre es losgegangen. Extra so gelegen vom Weg, der Lage und das Haus an sich von der Ausstattung, dass wir das mit Rollstuhl, Rollator und Mamas Sauerstoffgerät alles gut hinbekommen hätten. Mama hatte sich über das Geschenk auch gefreut, aber in den letzten Tagen fielen immer mal wieder Sätze wie „ob ich das wohl noch schaff“. Wir dachten sie meint organisatorisch, wegen dem Sauerstoffgerät, ihrer Kondition… Heute glaube ich sie war sich nicht sicher, ob sie das noch erlebt.
Am Pfingstsamstag, den 27.05. ging Papa kurz vor Mitternacht zu Bett. Mama hatte in den letzten Jahren immer auf der Couch im Wohnzimmer geschlafen, weil sie da besser lag. Sie war an dem Abend etwas erschöpft, denn sie hatte den Tag damit verbracht, was sie am liebsten tat: Mit ihrem Bruder Martin war sie stundenlang an Silvias Grab, um das wieder einmal herzurichten. Als Papa zu Bett ging, war Mama soweit okay. Doch um kurz vor 2h morgens klingelte bei Papa das Handy. Es war Mama, die nur ins Telefon schnaufte, nicht mehr reden konnte. Papa lief sofort ins Wohnzimmer und da saß sie im Sessel, rang nach Luft… Papa sagte noch „ich rufe den Notarzt“ und Mama nickte. Sie umarmte ihn ganz fest, klammerte sich an ihn – und wurde dann bewusstlos. Der Rettungsdienst gab über 30 Minuten sein Bestes. Sie reanimierten Mama und stellten tatsächlich nochmal einen Puls her. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, dort in ein künstliches Koma gelegt und an die Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Die Prognose der Ärzte war jedoch sehr schlecht, und wir veranlassten für Mama noch am Pfingstsonntag die Krankensalbung.
Papa und ich waren täglich bei Mama in der Klinik. Auch ihre Brüder hatten sie besucht. Mein Bruder Günter lag leider selbst nach einem schweren Unfall im Norden Deutschlands in der Klinik und war noch nicht transportfähig. Leider lief da die Zeit „gegeneinander“ und so konnte mein Bruder unsere Mama nicht mehr lebend sehen.
Am 31. Mai erhielt ich mittags einen Anruf aus der Klinik: Wir sollten uns beeilen, Mamas Blutdruck fällt, sie würde in kürzester Zeit versterben. Und so saßen Papa und ich an ihrem Bett. Wir waren bei ihr, als sie um 15:28h an diesem Tag ganz leise von uns und dieser Welt gegangen ist. Wir alle sind untröstlich und können es noch immer nicht fassen und wahrhaben, dass dieser zentrale Mittelpunkt unseres Lebens nicht mehr bei uns ist. Bei allem Leid und unserer tiefen Trauer klammern wir uns an die Vorstellung, dass Mama nun von allen Schmerzen und Sorgen befreit ist, sie sich wieder ohne Beschwerden bewegen kann, mit ihrer Mutti und Silvia in einem Garten voller Blumen sitzt, frei atmen kann – und ganz tief den Blumenduft einatmet, den sie so geliebt hat.
In Liebe,
Tamara
Gedenk-Video
Für Mamas Trauerfeier habe ich ein persönliches Lied für sie produzieren lassen. Ein großes Danke an der Stelle an meine lieben Radiokollegen Arlett & Thorsten von "Liedschmied.de", die dieses Projekt mit ganz viel Feingefühl für mich umgesetzt haben. Vorlage war die Melodie von "Go Rest High on that Mountain" von Vince Gill. Das Lied hatten wir im Januar 2020 unter das Abschiedsvideo unserer Silvia gelegt - und die Melodie hatte Mama immer so gefallen.
Unsere Liedauswahl zur Trauerfeier...

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Papas Abschiedslied
für Mama
20.05.2023
In der Woche bevor Mama sich von uns und dieser Welt verabschiedet hat, waren wir gemeinsam noch bei einem Treffen der COPD-Selbsthilfegruppe "COPD & Lunge". An diesem Tag haben wir gelernt, dass singen die Lunge stärkt... Und so sangen wir fleißig mit, als das Lied "Weiße Rosen aus Athen" angestimmt wurde. Was für ein schöner, unbeschwerter Moment... Nie im Leben hätte ich gedacht, wie wörtlich wir das "auf Wiedersehen" am Lied-Ende nehmen müssen.
Geburtstags-Video
Zum 70. Geburtstag von Mama, am 04.05.2020 - mitten während der Corona-Zeit - konnten wir nicht groß feiern. Um Mamas "Runden" dennoch zu würdigen, hatten wir sie mit diesem Video mit lieben Grußbotschaften von Freunden und der Familie überrascht.
Ein Leben in Bildern
Letzte Ruhestätte
Friedhof am Perlacher Forst
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